„Bild“ ist der einzige Papagei am Kiosk, der Bescheid weiß

Stellt Euch vor, liebe Freunde der Werbung, ein Automobilhersteller würde eine Imagekampagne für seine Marke gestalten und schalten. Und in dieser Kampagne kommt zum Ausdruck: „Wir bringen die Innovationen, alle anderen Autohersteller kopieren unsere Ideen.“ Wobei das nicht nur ein Autohersteller sein könnte, der so etwas behauptet, sondern auch ein Produzent von Handys, Computern oder sonst was. Oder der Verlag einer Tageszeitung.

So etwas wäre eine eigene Profilierung unter Herabsetzung aller Wettbewerber. Und ohne Beweisführung so albern wie ein sprechender Papagei, dessen Stimme im TV-Spot synchronisiert wurde.

Die neue Imagekampagne der „Bild“-Zeitung ist der Grund für die Eingangsbemerkung des Spießers: Hier wird mit mit Hilfe von Papageien zum Ausdruck gebracht, dass „Bild“ offenbar die einzige Zeitung ist, die Bescheid weiß, und dass alle anderen Medien nur nachplappern, was „Bild“ vorgeplappert hat.

Die Metapher im Werbebild hinkt natürlich wie ein einbeiniger Ara. Denn auch die „Bild“-Redaktion, die angeblich Bescheid weiß, wird symbolisiert durch einen Papagei. Tipp des Spießers an die Werbeagentur Jung v. Matt: Nehmt als Synonym für „Bild“ doch besser einen Pfau!

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 19. September 2017

Werbung: Wer kontrolliert eigentlich Gewinnspiele…?

Seit ewiger Zeit gibt es Preisausschreiben und Gewinnspiele, die von der Werbung treibenden Wirtschaft durchgeführt werden. Geld- und/oder Sachpreise gibt es dabei zu gewinnen; und die Gewinnsummen gehen mitunter ins Astronomische.

Die Anzeige von Wagner, wo es die „Chance auf Gewinne im Gesamtwert von über 1 Million €“ gibt, nimmt der Spießer als Casus Belli und fragt: Wer garantiert dem Verbraucher, dass die Gewinne von über 1 Million auch tatsächlich ausgeschüttet werden? Überwacht das ein Notar? Oder ein Verbraucherschutzverein? Oder niemand?

Klar, der Rechtsweg ist bei solchen Gewinnspielen stets ausgeschlossen. Aber es müsste doch eine Verpflichtung für die Werbungtreibenden bestehen,öffentlich nachzuweisen, dass die ausgelobten Gewinne auch wirklich an die Empfänger gegangen sind.

Wagner zeigt an: „Alle Wagner Produkte machen mit! Aktionszeitraum 05.07. – 05.12.2017“. Früher mals nannte man so etwas nach deutschem Wettbewerbsrecht einen Kaufzwang. Und der war verboten. Heute heißt es „Rubbel Glück“. Und je mehr Pizzas der Konsument kauft, desto höher sind seine Gewinnchancen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 18. September 2017

Werbung, die vor die Hunde geht

Wie macht der Deutsche Schäferhund? Der Deutsche Schäferhund macht: „Wau!“ Und wie macht die Englische Bulldogge? Die Englische Bulldogge macht: „Wow!“ Und was erkennen wir daraus? Wir erkennen, dass deutsche Werber auf den englischen Hund gekommen sind, wenn sie ein WOW von sich geben.

Spießer Alfons hat bereits in Vergangenheit mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass das WOW in der deutschen Werbung zu einer der meistverwendeten Vokabeln geworden ist. So, wie zuvor das Wörtchen „neu“. Und ständig kommen weitere WOWs hinzu, aus denen wir ablesen können: Wenn Werbetexter keinen Einfall haben, dann zeigen sie Einfalt. So war es gestern, so ist es heute und so wird es auch noch morgen sein.

Diese WOWs sind der Fragen würdig. Und Werbung, die der Fragen würdig ist, könnte man auch als fragwürdige Werbung bezeichnen.

Was in den Augen von Spießer Alfons besonders drollig ist: Merken die Auftraggeber gar nicht, wie sie hier von ihren Werbeagenturen verarscht werden, indem sie sich gebrauchte Hüte aufs Haupt setzen lassen und dafür auch noch Geld bezahlen?

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 14. September 2017

Warum der Texter von DeLonghi sehr viel Mumm beweist

Was hat der Werbetexter von DeLonghi getrunken, bevor er seine Zeile geschrieben hat: „Manchmal muss es einfach ein Cappuccino sein“…? Wer sich in der Werbung auskennt, der muss nicht lange über die spießige Eingangsfrage nachdenken, die Antwort lautet: Mumm. Denn wissen wir doch: „Manchmal muss es eben Mumm sein“.

Klar, es ist bekannt, dass ein Gläschen Sekt den Geist inspiriert. Doch wenn man zuviel davon trinkt, dann muss es hernach ein Cappucciono sein. Aber muss man deswegen gleich zu einem Plagiat greifen?

Außerdem: Hat der Protagonist im Bilde der Anzeige seine Hand wirklich an einem Cappuccino? Und warum hält er die gläserne Tasse nicht am Henkel und guckt darauf so versonnen-skeptisch? Die Spätfolgen von Mumm…?

In diesem Zusammenhang hat sich Plagiartdirektor Reiner Zufall darauf seinen folgenden Reim gemacht und also lautend: „Der Sekt ist kalt, der Kaffee heiß. Umgekehrt schmeckt es wie Scheibenkäse!“

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 12. September 2017

Hamburger Abendblatt: Verkaufte Titelseite und die Rache der Redaktion?

Am vergangenen Freitag hatte das Hamburger Abendblatt eine ungewöhnliche Titelseite, und zwar eine Anzeige vom Designer Outlet in Neumünster. Von der Redaktion wurde die Anzeige nicht als Anzeige gekennzeichnet; statt dessen stand drüber: „Heute erscheint das Hamburger Abendblatt mit zwei Titelseiten“.

aus: Hamburger Abendblatt

Auf der ersten Titelseite wurde also geworben für das Shopping in Neumünster. Schlägt der Leser das Blatt auf, dann findet er auf der Seite 9 einen großen Beitrag im Wirtschaftsteil mit der Information, wie der „Kleiderkauf der Zukunft“ aussehen wird, nämlich online. Und dazu muss man natürlich nicht ins Designer Outlet nach Neumünster reisen.

Anzeige und redaktioneller Beitrag passen also zusammen. Wie die Faust aufs Auge. Spießige Mutmaßung: Die Redaktion war so stinkig über ihre durch die Anzeige verdeckte Titelseite, dass sie sich gegenüber dem Shopping-Center gerächt hat. 😉

 

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 11. September 2017

Wörwag Pharma: Wenn Ameisen in der Werbung kribbeln, dann sind es Nervenschäden

Was tut der Mensch, wenn er tierische Qualen leidet? Zum Beispiel, wenn Ameisen auf seinen nackten Füßen herumkrabbeln…? Der Spießer könnte dafür diverse Problemlösungen anbieten. So lassen sich die Ameisen mit der Hand vom Fuß abstreifen oder totklatschen. Oder man kann die Füße auch abduschen. Und wer Chemie mag, der greift zu einem Spray gegen die Quälgeister und besprüht seine Füße damit, was den Zusatznutzen hat, dass sie bis zur nächsten Fußwäsche geschützt sind.

Die Firma Wörwag Pharma hingegen zeigt an: Wenn Ameisen auf den Füßen herumkrabbeln und kribbeln, dann handelt es sich um Nervenschäden, die durch Diabetes bedingt sind. Und deshalb soll der Mensch in einem solchen Fall zu „milgamma protekt“ greifen, und „nur 1 Tablette täglich“ schlucken – siehe die Reklame-Annonce! Und das behebt auch gleichzeitig den Vitamin-B1-Mangel der Ameisen, wenn Spießer Alfons es richtig verstanden hat.

Ob man 1 Filmtablette pro Ameise schlucken soll oder ob eine Tablette bereits gegen alle Ameisen hilft, steht in dem Inserat nicht. Aber wir wissen ja: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ 

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 11. September 2017

Jan Böhmermann und sein Scher(t)z zur Meinungsfreiheit

Jan Böhmermann

Jan Böhmermann ist Satiriker. Und Satiriker teilen bekanntlich gerne aus. Einstecken dagegen tun sie nicht ganz so gern. Wie auch der Herr Böhmermann, der ein Schmähgedicht gegen Erdogan verfasst und veröffentlicht hat, mit welchem er den Türken bewusst verletzten wollte. Was auch von Frau Merkel so erkannt und gesagt wurde. So weit, so gut.

Und nun? Nun lässt besagter Herr Böhmermann über seinen Rechtsanwalt Christian Schertz professoral verlauten, dass er überlegt, Angela Merkel zu verklagen, weil die Kanzlerin sein Erdogan-Gedicht als „Schmähgedicht“ bezeichnet hat, das „bewusst verletzend“ ist. Wozu Spießer Alfons gern gewusst hätte: Mit welchem Recht eigentlich, Herr Böhmermann, wollen Sie Frau Merkel möglicherweise verklagen? Vielleicht mit dem Recht auf Eigenwerbung, die Sie damit in den Medien für sich betreiben möchten…?

Angela Merkel hat sich geäußert mit ihrem verbrieften Recht aus Artikel 5 GG. Ist das nicht auch dasselbe Recht, Herr Böhmermann, auf das Sie sich mit Ihrem besagten Schmähgedicht beziehen, das bewusst verletzend ist…?

Über Recht urteilen in diesem unserem Lande die Richter und nicht die Bundeskanzlerin, die nur ihre Meinung dazu geäußert hat. Das sollte Advokat Schertz seinem Mandanten eigentlich schon längst erzählt haben. Aber der Berliner Promi-Advokat braucht vermutlich genauso Eigenwerbung wie sein Mandant. Stimmt’s? Oder hat Spießer Alfons wieder mal Recht?

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 6. September 2017

Kennt jemand von Euch das „Produkt des Jahres“?

Hallo, liebe Freunde der Werbung! Wisst Ihr eigentlich, welches Produkt von „deutschen Verbrauchern“ zum „Produkt es Jahres“ gewählt worden ist? Bevor Ihr jetzt rätselt, verrät es Euch der Spießer: „RubaX Gelenknahrung“ – siehe die Reklame!

Als Quelle für die Auszeichnung erfährt der Annoncenleser unten rechts in der Ecke im Kleinstdruck: „Online-Umfrage, durchgeführt von der GfK im Juni 2017 in einem repräsentativen Verbraucher-Panel in Deutschland“. Und wer dazu Näheres wissen möchte, bekommt den Hinweis: https://www.poygermany.com.

Und weil Spießer Alfons mehr wissen wollte, gab er in die Google-Maske ein: „Produkt des Jahres RubaX GfK“ und fand das hier: http://plusxaward.de/best-product-of-the-year/

Was sagt denn wohl die GfK dazu…?

 

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 4. September 2017

Hallo, liebe Familien: Wollt Ihr nicht mal ein Schlachtfest mit Eurem Patenrind feiern?

Wenn wir irgendwo lesen: „Eier zu verkaufen direkt vom Erzeuger“, dann wissen wir: Hierbei kann es sich nur um Ostereier von der Süßwarenindustrie handeln, denn die Legehennen verkaufen ihre Eier nicht direkt sondern nur über den Zwischenhändler.

Und nun lesen wir in einer Anzeige: „Bio Dexter Rindfleisch direkt vom Erzeuger“. Also vom Bullen, der auf die Kuh gestiegen ist, um das Rind zu zeugen.

Wundersam ist auch, was im Kleingedruckten der Annonce zu lesen ist und also lautend: „Unsere Dexter-Rinder in Mecklenburg-Vorpommern haben 365 Tage im Jahr Freilauf auf saftigen und kräuterreichen Weiden.“ Was bedeutet das? Es bedeutet, dass der Winter in Mecklenburg-Vorpommern ausschließlich am 29. Februar stattfindet, also wenn das Jahr 366 Tage hat. Nur an diesem Tage sind die Weiden dort von Schnee und Eis bedeckt, sodass die saftige und kräuterreiche Nahrungsaufnahme dann nicht möglich ist wie an den anderen 365 Tagen.

Und am Ende wird’s dann geschmacklos. Wir lesen: „Patenschaft für ein Kalb bis zur Schlachtreife – Sie können Ihr Kalb jederzeit an der Weide besuchen.“

Ja, da freuen sich besonders die Kinder, wenn sie ihr Kälbchen dann monatelang besuchen und streicheln können und auf dem Höhepunkt der Patenschaft dann das Schlachtfest feiern und ihr Patenrind in „vakuumierten 500-100g Portionen“ mit nach Hause nehmen. Guten Appetit  – Spießer Alfons isst heute fleischlos. 🙁

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 1. September 2017

Marktforschung unter Freunden: Like auf Klick

Versetzen wir uns alle mal in die Rolle einer Frau. Und dann lesen wir Evastöchter in einer Anzeige die folgende Headline: „Liebst Du, was 99% der Frauen lieben? L.O.V“ – siehe die Abbildung! Und wenn wir eine Frau sind, dann sind wir auch neugierig und wollen wissen: Was lieben denn wohl 99% der Frauen?

Und wir rätseln: Lieben sie vielleicht Männer? Ne, kann nicht sein, denn es gibt mehr als 1% Frauen, die Frauen lieben statt Männer. Und wir denken: Vielleicht ist die Liebe als solche gemeint, also die Liebe zur Liebe, zumal die drei Buchstaben L.O.V sowas andeuten?

Wir können weiterspinnen und überlegen, was 99% der Frauen wohl lieben mögen: Klamotten vielleicht? Urlaub? Reisen? Gutes Essen? Geld? Oder der Höhepunkt: 99% der Frauen lieben einen Orgasmus – vermutet jedenfalls der Spießer nach eigener Erkenntnis.

Und dann blättern wir weiter und finden auf der Rückseite der Anzeige die Erklärung: „.L.O.V yourself“, was womöglich meint: 99% der Frauen lieben sich selbst. Weiterlesen

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 31. August 2017