BILD-Zeitung: Geschäft mit Briefmarken für Dummies

Briefmarkensammler, auch Philatelisten genannt, haben schon lange erkannt: Beim Sammeln von Postwertzeichen verdienen nur zwei, nämlich die Post und der Briefmarkenfachhandel. Das Sammeln von Briefmarken ist eine Leidenschaft. Und der Sammler, der seine „Schätze“ dann später mal bei einem Händler verkaufen will, der muss dann schmerzhaft erkennen: Es war eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Weil ein Sammler mit Briefmarken kein Geld mehr verdienen kann; und die Preise im Michel-Katalog sind Mondpreise. Kurzum: Briefmarken der Deutschen Post aus den vergangenen 70 Jahren sind zum Teil weniger wert als der Preis, der auf den Marken aufgedruckt ist.

Und dann gibt es noch einen Verlag, der aktuell ins Briefmarkengeschäft mit eingestiegen ist: Axel Springer mit der BILD-Zeitung. Die Bouelevard-Postille bietet ihren Lesern „11.111 Bögen exklusiv mit Anpfiff für das Briefmarekn-Wunder von Bern“ – siehe die Abbildung!

Im Detail: Leser können diese 11.111 Bögen kaufen. Jeder Bogen besteht aus 11 Marken á 70 Cent, was nach Adam Riese = 7,70 Euro pro Bogen wären. Diese Rechnung ist aber falsch, denn der Besteller bezahlt für 11 Briefmarken á 70 Cent = 24,99 Euro!

Spießer Alfons hat gerechnet: 11.111 Bögen á 7,70 Euro = 85.554,70 Euro. Und 11.111 Bögen á 24,99 Euro = 277.663,89 Euro. Macht einen Gewinn eine Differenz von 192.109,19 Euro – wenn Spießer Alfons das im Kopf richtig ausgerechnet hat. 😉

Und da stellt sich für den spießigen BILD-Leser die Frage: Wer bekommt diese beachtliche Differenz von 192.109,19 Euro? Vielleicht die Aktion Ein Herz für Kinder? Oder Frau Springer auf ihr Girokonto…?

Postskriptum für Philatalisten: Einen Sammlerwert werden die Klebebilder von BILD nicht bekommen, da es sich um Privatdrucke von Postwertzeichen handelt, die jeder bei der Post herstellen lassen kann – weltexklusiv, versteht sich. Und in Kleinstauflagen statt in 11.111 Bögen. 😉

PPS: Und nebenstehend seht Ihr eine postalische Rarität aus dem Briefmarkenalbum von Spießer Alfons: Eine offizielle Briefmarke von Paraguay aus dem Jahre 1975. Diese Marke wird der Spießer demnächst bei ebay anbieten – oder ist vielleicht jemand von Euch bereit, für dieses postfrische Exemplar in Luxus-Erhaltung mit Randstück mehr als 1 Euro auszugeben…?

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 6. Dezember 2017

11 Gedanken zu „BILD-Zeitung: Geschäft mit Briefmarken für Dummies

  1. Philatelist

    Tja, früher war der Kai Diekmann mal so ’ne Marke…! 😉 Die BILD-Marke als solche dürfte mehr als ein Euro wert sein. Da sie aber durch das Markenrecht geschützt ist, wird Friede Springer wohl aufpassen, dass sie nicht verkauft wird – zum Beispiel an die Funke-Mediengruppe. 😉

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  2. Jens Petersen

    Heute schreibt „Bild“ in einem anderen Zusammenhang: „Wucher liegt spätestens dann vor, wenn mehr als 100 Proeznt über dem marktüblichen Preis in Rechnung gestellt werden“.

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  3. Thomas

    Der Artikel hat mich auf die Idee gebracht für mich privat bei der Post Briefmarken zu basteln und bestellen. Ich dachte 7,70 + eventuell ein bisschen Pornto wären eine Supersache um Briefmarken für Weihnachten zu bestellen.
    Aber nein. Die Post verlangt knapp 25 Euro.
    Deshalb muss ich Bild hier leider in Schutz nehmen. Die verlangen einfach nur das, was die Post bereits verlangt. Wobei ich mir sicher bin bei 11.111 Stückzahl, bekommt die Bildzeitung Rabatt. Der Rabatt ist dann wiederum der Gewinn von Bild.

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    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Hallo! Wenn die Bild-Zeitung mit der Post verhandelt hat, dann wird die Post bei dieser hohen Auflage wohl kaum mehr als die tatsächlichen Portokosten berechnet haben. Die Chuzpe der Redaktion ist, dass man den Lesern einredet, diese Marken wären mehr wert als das aufgedruckte Porto.

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    2. Senefelder

      Die Preise der Post gelten für Kleinauflagen und nicht für 100.000 Marken und mehr. Außerdem ist die Aktion eine Werbung für den Service der Post, ich denke nicht, dass die BILD überhaupt was dafür bezahlt hat. 😉

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  4. Stefan N.

    Ich weiß nicht, ob die Kritik an BILD hier so zieht. Es ist schließlich die Post, die den Mehrpreis fordert und einbehält, nicht die BILD.
    Auch wenn man selber bei der Post einen solchen Auftrag für frei gestaltete Briefmarken erteilt, bekommt man eine ähnliche Rechnung präsentiert.
    Die Frage ist also: was macht die Post mit der Differenz zum Porto?
    Die BILD wäre eher noch zu loben, weil sie hier am Preis nichts aufschlägt.

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  5. Klaus b.

    Viel interssanter fände ich jetzt die Geschichte hinter diese Paraguay-Marke:
    Wie zum Henker ist es denn *dazu* gekommen?

    Googlen bringt da gerade nicht viel, außer daß 1974 in Hamburg der Weltpostkongreß tagte…

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