Schlagwort-Archiv: Plakat

Werbung kann man auch streichen

Die Botschaft auf einem Plakat muss der Konsument im Vorbeigehen wahrnehmen können. Und nicht nur das, sondern er muss die Kommunikation auch sofort kapieren. Wortspielereien und bildliche Metaphern sollte der Plakatgestalter möglichst vermeiden, wenn sie nicht ad hoc zu „durchschauen“ sind. Klar, all das sind Binsenweisheiten, aber diese Weisheiten gehen häufig in die Binsen.

Liest auf Mustermann auf einem Plakat den Hinweis „Frisch gestrichen“, dann denkt sie zunächst mal an Farbe und Pinsel und weniger an Fett und Messer. Und sieht sie dazu einen Salat, dann fragt sie sich womöglich, ob der vielleicht frisch vom Speiseplan gestrichen wurde.

Scherz beiseite! Aber warum, um alles in der Werbewelt, schrieb der Textdichter auf dem Rama-Plakat nicht: „Frisch bestrichen“?! Weiterlesen

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 10. August 2017

Spießig gefragt: Gibt es bei diesem Premium Automobilhersteller eventuell Verkehr im Büro?

Wenn Alfons auf einem Bahnsteig steht und auf seinen Zug wartet, dann ist das für ihn keine verlorene Zeit. Weil der Spießer die Wartezeit dazu nutzt, sich die Plakate anzuschauen, die es dort zu sehen gibt. Und gestern sah er einen Großflächenanschlag von InvaCon, der dort gleich mehrfach zu besichtigen und zu bewundern war – siehe die Abbildung!

Warum zu bewundern? Weil die Firma dort „Kundenbetreuer (m/w) für einen deutschen Premium Automobilhersteller“ sucht, und zwar „im telefonischen Kundenservice in Voll- und Teilzeit“, so der Werbetext. Und das Unglaubliche steht in der Überschrift und also lautend: „Am Freitag schon auf Montag freuen!“ Weiterlesen

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 13. April 2017

SPD-Werbung: Mehr Jahrmarkt im Himmel für alle!

Im kommenden Monat wird in Schleswig-Holstein ein neuer Landtag gewählt. Und dazu werden wieder Anschläge auf uns Bürger verübt, sprich: Plakatanschläge. Damit bekommen wir wieder Stellschilder an den Straßenrand gestellt mit Wahlversprechen nach dem Motto: „Mehr Jahrmarkt im Himmel für alle. Wir machen das.“

So ein Jahrmarktschreier ist der derzeitige Ministerpräsident Thorsten Albig, der verspricht: „Mehr Gerechtigkeit für alle“ – siehe die Abbildung!

„Mehr Gerechtigkeit für alle“ ist eine Leerformel. Hätte der Texter einfach „Gerechtigkeit für alle“ geschrieben oder nur „Mehr Gerechtigkeit“, dann wäre die Aussage noch tragbar. Aber „Mehr Gerechtigkeit“ und das „für alle“ ist Blödsinn für alle. Es würde zugleich bedeuten, dass diejenigen, die heute schon mehr Gerechtigkeit als andere Menschen bekommen haben, sich freuen, dass sie mit Hilfe der SPD noch mehr Gerechtigkeit bekommen sollen.

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Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 5. April 2017

Eine Zigarette verspricht den Rauchern die Wiedergeburt

Es gibt Wörter, die nicht mehr steigerungsfähig sind, weil sie bereits in der höchsten Steigerungsform stehen, nämlich dem Superlativ. Das ist die zweite Steigerung nach dem Komparativ, dessen sich die Werbedichter gern bedienen, denn ein gutes Produkt wird zwar durch ein besseres ersetzt, aber das beste aller Produkte ist das Nonplusultra.

Es gibt aber auch Adjektive, die es nur in der Grundform gibt. Zum Beispiel: tot. Denn toter und am totesten ist Nonsens, auch wenn wir in unserer Umgangssprache von „mausetot“ reden, was der Duden merkwürdigerweise definiert mit: „ganz und gar tot, nicht die geringste Lebensregung mehr zeigend“.

So, und nun zur Werbung, wo wir einen Anschlag auf unsere Gesundheit erleben. Für die Zigarette L&M wird das Wort plakatiert: „Open for more“ – siehe die Abbildung! Weiterlesen

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 8. März 2017

Gauloises: Todesanzeige per Plakat

„Tell a story!“ Das ist ein wichtiges Gebot für jeden Werbedichter, der den Konsumenten für ein Produkt oder eine Dienstleistung gewinnen will. Wenn das mit einem TV-Spot oder Film im Internet geschehen soll, dann muss ein Buch zum Film verfasst werden, sprich: Storyboard. Und wenn es in Print, also per Anzeige oder Plakat passieren soll, dann wird die Story direkt auf das Werbemittel gedruckt und sollte ziemlich kurz sein, um gelesen zu werden.

Der Textdichter für Gauloises hat eine Geschichte mit einem Bild und zwölf Wörtern verfasst und damit einen Anschlag auf den Verbraucher verübt. Und dieser Plakatanschlag ist sehr eindrucksvoll – siehe die Abbildung!

Die Story ist eine Tragödie. Trauriger als die Geschichte von Romeo und Julia und dramatisch wie die Story von Bonnie und Clyde oder die Liaison zwischen Kate Moss und Pete Doherty. Wir sehen im Bilde ein junges Paar, das auf dem Gehweg tanzt. Dazu die Story: „Neue Liebe, wiedervereint, neues Feuer. Vive le Moment Gauloises – Rauchen ist tödlich.“

 Glück, das für einen kurzen Moment gelebt wurde, bis dass der Tod durch Krebs sie geschieden hat. Das ist wirklich eindrucksvoll und erinnert an Eric Segals weltberühmte „Love Story“, findet Ihr nicht? Weiterlesen

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 5. März 2017

Frank-Walter Steinmeier: Bundespräsident, SPD…?

Wir haben einen neuen Bundespräsidenten. Und bevor der überhaupt gewählt worden war, hat die SPD schon Wahlwerbung mit ihm gemacht: „Wir freuen uns auf den sozialdemokratischen Schlossherrn“ – siehe die Abbildung!

Die SPD macht also Wahlwerbung in eigener Sache mit dem Bundespräsidenten, als der noch gar nicht Bundespräsident war. Spießer Alfons weist darauf hin, dass die Partei-Werber hier einen Schritt zu weit gegangen sind. Außerdem: Ist der Bundespräsident nicht politisch neutral? Wieso wird er in der SPD-Werbung quasi als Bundespräsident, SPD, hingestellt…?

Dem Spießer stellt sich gleichzeitig auch die Frage: Darf Schloss Bellevue, in dem die SPD nicht residiert, in einer Parteienwerbung abgebildet werden…?

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 13. Februar 2017

Die DAK lockt ein kleines Kind mit einem „Bonus von bis zu 1.625 Euro“ … wenn es erwachsen ist!

Die DAK fragt in versaler Headline mit kleinem i: „HAT ES iRGENDEiNEN VORTEiL, ERWACHSEN ZU WERDEN?“ Und wenn der Plakat-Leser sich fragt, an wen diese Frage denn wohl gerichtet ist, dann erkennt er nach Lektüre des Kleingedruckten: Die DAK fragt tatsächlich das Kind. Und das Plakat hat Spießer Alfons auf einem Bahnsteig gesehen.

Werbung mit Kindchen-Schema

Die Antwort, auf die Frage, ob es einen Vorteil hat, erwachsen zu werden, gibt der Textdichter selber und also lautend: „Ja klar, mehr als einen! Freu Dich schon mal auf einen Bonus von bis zu 1.626 Euro.“

Spießer Alfons hat eine Tochter, die ungefähr in dem Alter ist wie das abgebildete kleine Mädchen. Und der spießige Vater stellt sich vor, er würde seinem Kind sagen: „Freu Dich schon mal auf einen Bonus von bis zu 1.626 Euro.“ Die junge Dame würde ihren Vater anschauen und ihm erklären, dass sie sich auf ihr Taschengeld von 2 Euro freut, das sie für die letzte Woche noch nicht bekommen hat.

Und am Fuße steht: „DAK Gesundheit Ein Leben lang“. Kann dem Spießer jemand erklären, was das mit der Krankenkasse zu tun hat, die man eigentlich nicht benötigt, wenn man ein Leben lang gesund ist?!

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 8. Januar 2017

Auf offener Straße: Anschlag auf den Konsumenten

Wer heute noch Zigaretten-Werbung macht, der muss schon ein Hardcore-Verführer sein. Oder drogensüchtig. Zumindest Letzteres könnte man vermuten, wenn man sich den Plakat-Anschlag von West anschaut, wo gegen Fruchtbarkeit geworben wird – siehe Abbildung!

Okay, die Texte auf den Zigaretten-Päckchen hat kein Werber formuliert, sondern der Gesetzgeber hat hier als Werbetexter vorgeschrieben, und zwar gegen den Konsum. Und was macht der Textdichter aus der Werbeagentur? Er schreibt eine Headline und also lautend: „Sag Hi zu +10g mehr“. Was bedeutet das? Es bedeutet: Pleonasmus. Denn „+“ ist ja bereits „mehr“.

Doch was bedeutet das geheimnisvolle „Hi“, das die Drogensüchtigen sagen sollen? Spießer Alfons, der Werbeberater für ahnungslose Konsumenten, erklärt es Euch: Hi ist die Abkürzung für Buch Hiob, also das berühmte Buch der Bibel. Und wenn jemand von Euch bis heute noch keine Hiobsbotschaft vernommen hat, dann schaut auf das West-Plakat!

Postskriptum: Natürlich ist Hi auch die Abkürzung von Herzinfarkt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 3. Januar 2017