Anschlag auf Werber: Wie aus einem einzigen Plakat eine ganze Kampagne geworden ist

Werbung & Ehrlichkeit sind wie die berühmten zwei Königskinder: Sie konnten zusammen nicht kommen. Wer ernsthaft behaupten will, dass Werbung ehrlich ist, der kann auch der Überzeugung sein, dass Politiker nicht lügen und Rechtsanwälte immer nur die Wahrheit sagen. Und Provokationen gegen Menschen, Geschlechter und Berufe gibt es gerade in der Werbung zuhauf. Das vorab.

Nun hängt ein Werbeplakat im Hamburger Stadtteil Ottensen. Mit diesem Plakat wirbt die Werbeagentur Pilot für Fernet-Branca und der Headline: „Früher gab es hier ehrliche Arbeiter. Jetzt gibt es Werber.“ (Hintergrund: Der Bau eines Bürohauses, in dem auch die Agentur WWP mit Scholz & Friends residieren, war bei den Bürgern von Ottensen höchst umstritten.)

Das besagte Plakat ist ein Unikat. In Ottensen, in Hamburg, im gesamten Deutschland. Und wie ein Schatten in der Nacht wäre es auch irgendwann wieder verschwunden, ohne dass die lokale Botschaft eine Breitenwirkung erzielt oder überhaupt Spuren hinterlassen hätte.

Dann aber kamen die Werber und heulten auf. „Herabwürdigend!“, riefen sie. Und Benedikt Holtappels, Boss von GGH MullenLowe, regte sich via Facebook auf und schimpfte „Schwachsinn“ und „Vollidioten“.

Und was passierte daraufhin? Daraufhin stiegen die Medien ein – siehe zwei Abbildungen aus dem Hamburger Abendblatt! Und somit wurde aus einem einzigen Plakatanschlag ein Anschlag auf das gesamte Werbegewerbe. Ja, das Plakat führte sogar zu einer Beschwerde beim Deutschen Werberat durch Raphael Brinkert, GF Jung von Matt/Sports. Und so entstand aus dem einen einzigen harmlosen Poster eine ganze Kampagne unter dem Claim: „Life is bitter“.

Warum auch noch Spießer Alfons über das diese Tragikomödie berichtet? Alfons bekam heute eine Mail von Barbara Eckholdt, virtuell, Hamburg. Sie schreibt: „Lieber Spießer Alfons, ich vermisse Ihre geschätzte Stimme bei der aktuellen Debatte um die Fernet-Branca-Werbung. Herabwürdigung der Zielgruppe als Werbestrategie? Vielleicht sollten die Hamburger Piloten mal versuchen, das Konzept auf ein Produkt für hohe Einkommensgruppen umzusetzen. Ich habe meiner Aufregung schon mal selbst Luft gemacht. Ergebnis anbei.“

Und hier ist es, das luftige Ergebnis der Hamburger Werberin aus Ottensen:

Postskriptum: Hat jemand von Euch vernommen, dass die Schokoladen-Hersteller gegen das nachstehende Plakat einen Protest beim Deutschen Werberat eingelegt haben?

 

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 11. November 2017

Ein Gedanke zu „Anschlag auf Werber: Wie aus einem einzigen Plakat eine ganze Kampagne geworden ist

  1. Lüttjohann

    Ha! Ha! Ausgerechnet Jung von Matt beschwert sich! Wenn ich an die Sixt-Kampagne denke, wo damals der Friseur von Angela Merkel diffamiert worden war – hat der sich auch an den Werberat gewendet zwecks Beschwerde…?

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